Irisfotografie mit Focus Stacking
- Daniel Knop
- 8. Jan.
- 22 Min. Lesezeit

Irisfotos werden üblicherweise mit Einzelfotos gemacht. Hier wird eine Methode vorgestellt, die es ermöglicht, dabei mit Focus Stacking zu arbeiten, um mehr Schärfentiefe zu erreichen.
Die Irisfotografie erlebt derzeit einen regelrechten Boom. Das hat sicher mit ihrer ästhetischen Wirkung zu tun – vor allem aber mit der Erkenntnis, wie unglaublich individuell die menschliche Regenbogenhaut ist. Keine Iris gleicht der anderen. Farben, Strukturen, Linien und Sprenkel sind so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Und je näher man hinschaut, desto mehr offenbart sich eine komplexe Landschaft, die mit bloßem Auge kaum zu erfassen ist.
Wer versucht, diese Welt mit der Kamera sichtbar zu machen, merkt allerdings schnell: So faszinierend die Iris ist, so widerspenstig ist sie auch. Besonders bei stark vergrößerten Aufnahmen, etwa für großformatige Drucke, stößt man rasch an technische Grenzen. Das größte Problem ist die Schärfentiefe – oder besser gesagt: ihr fast vollständiges Fehlen.
Die Iris liegt selten exakt parallel zur Sensorebene der Kamera. Schon minimale Verkippungen des Auges, die sich kaum kontrollieren lassen, sorgen dafür, dass Teile der Iris sofort aus der Schärfe laufen. Was bei normaler Porträtfotografie keine Rolle spielt, wird bei hohen Vergrößerungen zum ernsthaften Hindernis: Die benötigte Schärfentiefe wächst dramatisch, während die tatsächlich verfügbare immer kleiner wird, je näher wir mit der Frontlinse an das Auge heran gehen.
Natürlich liegt der Gedanke nahe, einfach stärker abzublenden. Doch das hilft nur bedingt. Kleine Blendenöffnungen führen unweigerlich zu Beugungsunschärfen – und die zerstören genau das, worum es bei der Irisfotografie eigentlich geht: feine Strukturen und maximale Detailgenauigkeit. In der Praxis bleibt deshalb oft nur ein Ausweg: viele Aufnahmen machen und hoffen, dass ein paar davon wirklich überzeugen. Fünfzig, siebzig oder mehr Bilder pro Auge sind dabei keine Seltenheit – und der Großteil landet später im Papierkorb.

An diesem Punkt stellte sich mir eine nahe liegende Frage: Warum eigentlich kein Focus Stacking? In der Makro- und Mikrofotografie ist diese Technik seit Jahren etabliert, wenn es darum geht, extreme Schärfentiefenprobleme zu lösen. Sollte sie ausgerechnet bei der Iris nicht funktionieren?
Eine gezielte Recherche im Internet brachte zunächst Ernüchterung. Überall fand ich dieselbe Aussage: Focus Stacking sei bei der Irisfotografie nicht praktikabel oder schlicht unmöglich. In der Regel bleibt es bei dieser Behauptung – ohne nähere Erklärung.
Um es vorwegzunehmen: Ganz so eindeutig ist die Sache nicht. Durch neuere Entwicklungen in der Kameratechnik eröffnen sich heute unter idealen Bedingungen tatsächlich Möglichkeiten, die Schärfe und Detailfülle von Irisaufnahmen mit Hilfe von Focus Stacking weiter zu steigern. Das ist noch Neuland und bislang offenbar nicht bekannt – aber genau darum geht es im letzten Teil dieses Beitrags.
Bevor ich darauf eingehe, möchte ich jedoch zunächst meine grundsätzliche Vorgehensweise bei der Irisfotografie vorstellen. Es ist ausdrücklich kein allgemeingültiger Leitfaden – viele Irisfotografen haben ihren ganz eigenen Stil und ihre eigenen Methoden. Im Mittelpunkt steht hier vor allem die praktische Umsetzung: Wie entstehen die Bilder? Die anschließende Bildbearbeitung streife ich nur am Rande.
Die Umgebung
Für die Irisfotografie braucht es vor allem eines: Kontrolle über das Licht. Und genau hier beginnt das Problem. Man kann sich das menschliche Auge nämlich am besten als kleine, hochglänzende Kugel vorstellen. Diese Kugel spiegelt gnadenlos alles, was sich in ihrer Umgebung befindet – jede Lampe an der Decke, jedes Fenster, sogar helle Flächen in der eigenen Hand. Dabei spielt es kaum eine Rolle, aus welcher Richtung das Licht kommt: Das Auge „sieht“ praktisch den ganzen Raum auf einmal.

Um diese ungewollten Reflexionen zu vermeiden, gibt es theoretisch eine radikale, aber wirkungsvolle Lösung: das gesamte Zimmer abdunkeln, alle Lichtquellen ausschalten und möglichst wenig helle Flächen übrig lassen. Viele Irisfotografen arbeiten tatsächlich genau so – und das funktioniert auch.
Ich selbst bin einen etwas anderen Weg gegangen. Statt den Raum zu kontrollieren, habe ich versucht, die direkte, unmittelbare Umgebung der Aufnahme zu kontrollieren. Dafür habe ich einen Kasten gebaut, der das Auge während der Aufnahme weitgehend von seiner Umgebung abschirmt. Der Kopf wird in den Kasten geführt, das Kinn liegt auf einer Ablage, die Stirn lehnt oben an. Dadurch ist der Kopf zumindest in zwei Bewegungsachsen einigermaßen fixiert – ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei hohen Vergrößerungen.
Damit es im Inneren nicht selbst zu Reflexionen kommt, ist der gesamte Kasten mit dünnem schwarzem Filz ausgekleidet. Helle Flächen gibt es dort schlicht nicht mehr. Rückblickend ließe sich diese Konstruktion problemlos verbessern: Etwas mehr Breite, etwas mehr Höhe und vor allem höhenverstellbare Kinn- und Stirnstützen würden die Flexibilität deutlich erhöhen. Der Kasten entstand recht spontan für einen Irisfotografie-Workshop. Er erfüllt seinen Zweck – aber wie so oft gilt: Nach dem Bau ist vor der Optimierung.

Aufnahmetechnik
Welche Technik braucht man für die Irisfotografie? In diesem Beitrag gehe ich konsequent davon aus, dass die Bilder groß gedruckt werden sollen – als Wandbild, nicht als Instagram-Thumbnail. Damit scheiden Smartphones zunächst aus. Das heißt nicht, dass sie grundsätzlich ungeeignet wären: Mit speziellen Makrooptiken und hochauflösenden Sensoren könnten sie in Einzelfällen durchaus brauchbare Ergebnisse liefern. Ihr großer Vorteil liegt in der enormen Schärfentiefe, die durch die sehr kleinen Linsendurchmesser entsteht.
Genau hier liegt aber auch der Haken: Was dem Smartphone hilft, ist im Kleinbildformat das zentrale Problem. Bei Kleinbild-Vollformatkameras ist die Schärfentiefe extrem gering – und gerade bei der Irisfotografie wird sie zum limitierenden Faktor. Deshalb ist die Wahl der Technik hier keine Geschmacksfrage, sondern eine strategische Entscheidung.
Kamera
Die Auflösung der Kamera kann bei der Irisfotografie im Prinzip nicht hoch genug sein – zumindest dann, wenn es um Einzelaufnahmen geht. Beim späteren Einsatz von Focus Stacking relativiert sich dieser Punkt etwas, doch dazu komme ich noch.
Als grobe Orientierung:24 Megapixel sind ausreichend,45 Megapixel sind deutlich komfortabler,60 Megapixel stellen derzeit im Kleinbildformat das obere Ende dar.
Wenn wirklich große Drucke geplant sind, bietet Vollformat klare Vorteile gegenüber Crop-Sensoren – einfach, weil mehr Reserven vorhanden sind. Nicht alles wird später perfekt scharf sein, und jedes zusätzliche Pixel hilft.
Ein enormer praktischer Vorteil ist die direkte Bildkontrolle während der Aufnahme. Ideal ist eine Verbindung der Kamera mit einem Computer, sodass die Bilder sofort in Capture One, Lightroom oder einer vergleichbaren Software erscheinen. Nichts bremst den Ablauf mehr als das ständige Herausnehmen der Speicherkarte und das Hin- und Herlaufen zwischen Kamera und Rechner.
Man darf dabei nicht vergessen: Hier steht kein unbewegliches Objekt vor der Kamera, sondern ein Mensch. Seine Geduld wird durch helle Beleuchtung und lange Stillhaltezeiten ohnehin stark beansprucht. Alles, was den Ablauf verkürzt und ruhiger macht, ist ein Gewinn – technisch wie menschlich.
In meinem Fall arbeite ich allerdings nicht mit klassischem Tethering, bei dem die Kamera vollständig vom Computer aus bedient wird. Bei der Irisfotografie muss ich sehr dicht am Modell sein, ständig Blickkontakt halten und verbal korrigieren können. Die Kamera möchte ich dabei nicht aus der Hand geben.
Stattdessen nutze ich einen 27-Zoll-Monitor, der direkt an die Kamera angeschlossen ist. Noch besser wäre ein zweiter Monitor mit identischem Bildinhalt, so positioniert, dass der Fotografierte ihn mit dem freien Auge sehen kann. Dieses unmittelbare Mitverfolgen der Aufnahme hilft erstaunlich gut dabei, ruhig zu bleiben und unbewusste Bewegungen zu vermeiden. Ob und wie sich das technisch umsetzen lässt, hängt allerdings von der jeweiligen Kamera ab.
Objektiv
Ich habe im Laufe der Zeit eine ganze Reihe unterschiedlicher Objektive auf ihre Eignung für die Irisfotografie getestet. Das Ergebnis war erstaunlich eindeutig: Am Ende läuft fast alles auf Brennweiten zwischen 65 und 100 Millimetern hinaus.
Eine manuell einstellbare Blende setze ich dabei voraus. Autofokus ist prinzipiell nutzbar, doch am besten mit kamerainternem Focus Stacking. Auch bei manuellem Fokussieren lässt sich die Fokusebene verschieben, aber besser nicht am Fokussierring des Objektivs, sondern mit einem manuellen Lineartisch, den man an der Verstellschraube mit Sichtkontrolle (großer Monitor direkt an der Kamera angeschlossen) gezielt schrittweise verschiebt, um über einen Fernauslöser die Bilder zu machen.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Präzision, sondern auch die Bedienbarkeit. Der Verstellknopf muss bequem erreichbar sein, ohne dass dabei Druck oder seitliche Kräfte auf das System wirken. Schon kleinste Wackelbewegungen machen sich bei hohen Vergrößerungen sofort bemerkbar.
Ich selbst nutze den Novoflex Castel-Q, der tatsächlich spielfrei arbeitet. Es gibt aber auch andere hochwertige Lineartische, die sich ebenso eignen. Wichtig ist weniger die Marke als die mechanische Qualität: kein Spiel, kein Verkanten, kein Ruckeln.

Beleuchtung
Grundsätzlich lassen sich Irisaufnahmen sowohl mit Blitzlicht als auch mit LED-Dauerlicht realisieren. Auf den ersten Blick wirkt der Blitz sogar attraktiv: viel Licht, kurze Abbrennzeiten, gestochen scharfe Einzelbilder. In der Praxis bringt er jedoch ein Problem mit sich, das bei der Irisfotografie kaum zu unterschätzen ist – den Pupillenreflex.
Jeder helle Blitzimpuls löst ein ruckartiges Zusammenziehen der Pupille aus. Für eine einzelne Aufnahme wäre das noch kein Drama, denn der Blitz friert die Bewegung zuverlässig ein. Das eigentliche Problem entsteht erst dann, wenn man bedenkt, wie Irisfotografie in der Praxis funktioniert: Selten genügt ein einzelnes Bild. Meist entstehen Serien von 50 oder mehr Aufnahmen, aus denen später nur wenige wirklich brauchbar sind.
Der Pupillenschluss erfolgt dabei sehr schnell, das anschließende Wiederöffnen dagegen deutlich langsamer. Das hat eine unangenehme Konsequenz: Bei einer schnellen Bildserie befindet sich die Iris mit hoher Wahrscheinlichkeit ständig in Bewegung. Und dabei verschiebt sich nicht nur der Pupillenrand. Die gesamte Iris verändert ihre Lage, ähnlich wie ein Vorhang, der auf- und zugezogen wird. Feine Strukturen wandern von Bild zu Bild; leicht, aber messbar.
Zwar friert der Blitz jede einzelne Aufnahme ein, doch in der Bildfolge liegen dieselben Details jedes Mal an einer etwas anderen Stelle. Für die Auswahl einzelner Bilder ist das unproblematisch, aber für spätere Verfahren wie Focus Stacking wäre es fatal. Eine langsame Bildfolge mit Blitz hilft ebenfalls nicht weiter: Wartet man nach jeder Aufnahme, bis sich die Pupille wieder vollständig geweitet hat, hat sich das Auge mit hoher Wahrscheinlichkeit inzwischen anders positioniert – ganz abgesehen davon, dass auch Kopf- oder Lidbewegungen auftreten können.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Der plötzliche Lichtimpuls kann unwillkürliche Reaktionen auslösen. Ein kurzes Zusammenzucken, ein Blinzeln oder eine minimale Kopfbewegung reichen aus, um Teile der Iris aus der ohnehin extrem dünnen Schärfeebene zu schieben.
Ein weiterer Nachteil des Blitzlichts liegt in der Kontrolle der Reflexionen. Die unvermeidliche Spiegelung der Lichtquelle auf der Iris lässt sich vor der Aufnahme nicht exakt beurteilen, da sie erst im Moment des Auslösens sichtbar wird. Gerade bei hochvergrößerten Irisaufnahmen ist es jedoch entscheidend, diese Spiegelung möglichst klein zu halten und so zu platzieren, dass sie später problemlos entfernt werden kann. Wie sich das zuverlässig erreichen lässt, bespreche ich später noch im Detail.

LED-Studioleuchte
Aus all diesen Gründen arbeite ich bei der Irisfotografie bevorzugt mit Dauerlicht. Das gibt mir vor allem eines zurück: Kontrolle. Grundsätzlich bieten sich dabei zwei unterschiedliche Ansätze an.
Die erste Möglichkeit ist eine klassische Studio-LED, kombiniert mit einem Snoot – also einem Vorsatz, der den Lichtstrahl stark einengt. Ideal ist zusätzlich ein Wabenaufsatz, der seitliche Streuung unterdrückt. Auf diese Weise lässt sich nicht nur der Lichtkegel verkleinern, sondern auch die Größe der unvermeidlichen Reflexion auf der Augenoberfläche gezielt kontrollieren.

Der große Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass man in Ruhe arbeiten kann. Die Lichtquelle lässt sich mit geringer Helligkeit so ausrichten, dass die Reflexion exakt dort sitzt, wo man sie haben möchte – und zwar sichtbar, noch bevor ausgelöst wird. Begleitende Testaufnahmen sind dabei hilfreich. Entsprechend nützlich ist es, wenn der Rechner oder zumindest ein großer Monitor im Blickfeld steht, idealerweise so, dass man ihn mit einer leichten Kopfbewegung einsehen kann, ohne aufzustehen.
Arbeitet man mit Dauerlicht statt Blitz, entfällt allerdings der Bewegungen einfrierende Effekt extrem kurzer Abbrennzeiten. Verwacklungsunschärfen werden damit zu einem realen Thema – zumal das Auge niemals vollständig ruhig steht. Um dem entgegenzuwirken, arbeite ich mit relativ kurzen Verschlusszeiten, etwa 1/640 Sekunde, und erhöhe den ISO-Wert entsprechend (zum Beispiel auf ISO 1000 bei Blende f/4).
Die vergleichsweise offene Blende reduziert zwar die Schärfentiefe weiter, doch das spielt in diesem Fall eine untergeordnete Rolle, da ich hier bewusst mit Focus Stacking arbeite. Wichtig ist in diesem Stadium nicht maximale Schärfentiefe im Einzelbild, sondern ein ruhiger, reproduzierbarer Aufnahmeprozess.
LED-Makroleuchte
Die zweite Möglichkeit der Dauerlichtbeleuchtung liegt in spezialisierten LED-Makroleuchten mit flexiblen Schwanenhälsen, deren Basis idealerweise direkt an der Kamera montiert wird. Ein bekanntes Beispiel ist das System Adaptalux, das von einem Hersteller aus Großbritannien angeboten wird. Vergleichbare Lösungen anderer Anbieter existieren ebenfalls.
Unabhängig vom konkreten Produkt sind dabei einige Eigenschaften entscheidend:Die einzelnen Lichtquellen sollten frei positionierbar sein, ihr Durchmesser möglichst klein, und ihre Helligkeit unabhängig voneinander regelbar – bis hin zur vollständigen Abschaltung. Gerade diese Feinsteuerung ist bei der Irisfotografie enorm wichtig, da bereits minimale Änderungen der Lichtführung großen Einfluss auf Reflexe, Kontrast und Plastizität der Irisstrukturen haben.
Solche Makroleuchten sind weniger leistungsstark als Studio-LEDs, dafür aber extrem präzise und nah am Motiv. Sie eignen sich besonders dann, wenn es darum geht, Reflexionen gezielt zu platzieren und störende Lichtanteile konsequent auszublenden.

Lichtspiegelungen
Lichtspiegelungen sind bei der Irisfotografie Ihr erklärter Feind. Alles, was sich hier im Auge spiegelt, müssen Sie später in der Bildbearbeitung mühsam entfernen. Das kostet Zeit, Nerven – und geht fast immer zulasten der Bildqualität. Die einfachste und zugleich beste Strategie lautet deshalb: Reflexe gar nicht erst entstehen lassen.
Ein oft genannter Ansatz ist der Einsatz eines Polfilters. Ein guter Polfilter kann helle Reflexe tatsächlich reduzieren. Die Betonung liegt allerdings auf „gut“. Billige Filter leisten hier wenig, und auch Kreuzpolarisierung – also Polfilter vor Objektiv und Lichtquelle – hat sich in meinen Versuchen nicht bewährt. Statt Reflexfreiheit bekam ich bunte Interferenzmuster direkt auf der Iris. Originell – ja. Hilfreich – nein.

Deutlich besser ist es, die Beleuchtung von vornherein so zu gestalten, dass Reflexe minimiert werden. Entscheidend ist dabei vor allem der Durchmesser des Lichtstrahls. Je breiter er ist, desto mehr Teile der unmittelbaren Umgebung werden mit beleuchtet – Lider, Wimpern, Haut – und all das spiegelt sich unweigerlich im Auge. Diese Spiegelungen lassen sich später zwar entfernen, aber der Aufwand steigt exponentiell. Die besten Reflexe sind immer noch die, die nie existiert haben.
Neben einer geeigneten Lichtquelle lässt sich der Lichtstrahl oft zusätzlich einengen, etwa mit einem einfachen Pappröhrchen, das über die LED-Leuchte geschoben wird – ähnlich einer improvisierten Streulichtblende oder der „snoot“ bei der Studio-LED-Leuchte. Das wirkt unspektakulär, funktioniert aber erstaunlich gut.
Immer wieder hört man den Rat, das Licht frontal, also im 90-Grad-Winkel, direkt auf das Auge zu richten, sodass die Reflexion in der schwarzen Pupille liegt. Technisch ist das korrekt – gestalterisch allerdings unerquicklich. Wer möglichst langweilige Irisfotos produzieren möchte, ist damit gut bedient. Der eigentliche Reiz der Iris liegt jedoch nicht nur in ihrer Farbe, sondern in ihrem feinen Schattenrelief. Und das entsteht ausschließlich durch gerichtetes Seitenlicht. Ohne Schatten keine Plastizität.
Das andere Extrem wäre eine reine Seitenbeleuchtung. Das Licht kommt dann vollständig von links (beim linken Auge) oder von rechts (beim rechten). Das Problem: Das Auge ist konvex. Die dem Licht abgewandte Seite der Iris bleibt entsprechend dunkel. Man kann diese Bereiche später am Rechner partiell aufhellen, doch überzeugender wird das Ergebnis, wenn bereits bei der Aufnahme ein Teil des Lichts auch die Gegenseite erreicht.
Bewährt hat sich deshalb ein spitzer Beleuchtungswinkel, irgendwo zwischen seitlich und etwa 45 Grad. In diesem Bereich lässt sich gut experimentieren – idealerweise mit geringer Lichtleistung und offener Blende, ohne Rücksicht auf Schärfentiefe, dafür mit umso mehr Rücksicht auf das Modell. Vergleichen Sie die Ergebnisse direkt am Rechner, gern auch gemeinsam mit der fotografierten Person. Schließlich soll das Bild am Ende nicht nur technisch überzeugen, sondern auch gefallen.
In dieser Konfiguration liegt die unvermeidliche Lichtspiegelung meist im äußeren, mittleren Bereich der Iris. Dort lässt sie sich später am einfachsten entfernen. Zwar gibt es dafür verschiedene softwareseitige Lösungen, doch ein besonders eleganter Trick kommt ganz ohne aufwendige Retusche aus.
Der Zweilampen-Trick
Dazu arbeitet man mit zwei schlanken LED-Leuchten, etwa an Schwanenhälsen. Eine wird links vom Auge positioniert, die andere rechts, beide in vergleichbarem Winkel. Zunächst wird nur die rechte Leuchte eingeschaltet und ein Bild aufgenommen – mit einer Reflexion auf der rechten Irisseite. Anschließend wird die rechte Leuchte ausgeschaltet, die linke eingeschaltet, und die Aufnahme mit identischen Einstellungen wiederholt. Dieses zweite Bild enthält genau jene Strukturdetails, die im ersten durch die Reflexion überstrahlt waren. In der Nachbearbeitung müssen diese Details lediglich über die Reflexion gelegt werden.
Wichtig ist dabei, beide Aufnahmen zeitlich eng hintereinander zu machen, damit die Position des Auges möglichst identisch bleibt. Dann funktioniert diese Methode erstaunlich zuverlässig – und spart am Ende mehr Arbeit, als sie zunächst kostet.
Die Iris
Die Iris ist kein flacher, homogen strukturierter Bereich, sondern ein komplexes, mehrschichtiges Gewebe mit ausgeprägtem Relief.
Den größten Teil bildet das Stroma – und genau dieses Gewebe ist es, das wir fotografisch erfassen wollen. Es besteht aus kollagenen Fasern, die bei vielen Menschen als feine, klar abgegrenzte Linien sichtbar sind, häufig radspeichenartig angeordnet. An der Oberfläche des Stromas liegen die Strukturen, die das charakteristische Erscheinungsbild der Iris prägen: Fasern, Krypten und feine Mikrospalten, die gemeinsam das plastische Relief erzeugen.

In das Stroma sind auch die Muskeln eingebettet, die die Pupillengröße regulieren. Für die Fotografie sind sie weniger durch ihre Funktion relevant als durch ihren Einfluss auf die lokale Gewebespannung – und damit auf das Relief und die Tiefe einzelner Strukturen.
Unter dem Stroma liegt das stark pigmentierte Pigmentepithel. Es ist wie ein lichtundurchsichtiger Vorhang und verhindert, dass Licht durch die Iris ins Augeninnere gelangt. Es sorgt also dafür, dass Licht ausschließlich durch die Pupille und die Linse eintritt. Besonders bei hellen, blauen Iriden, deren Stroma nur wenig Pigment enthält, kann dieses darunterliegende Pigmentepithel das visuelle Erscheinungsbild beeinflussen, da der Blick optisch tiefer ins Gewebe reicht.

Iriden unterscheiden sich nicht nur in ihrer Farbe, sondern auch fundamental in ihrer strukturellen Beschaffenheit. Manche besitzen klar definierte, scharf abbildbare Faserstrukturen mit harten Kanten. Andere wirken weich, diffus oder „wattig“ – nicht, weil die Aufnahme unscharf wäre, sondern weil das Gewebe selbst keine scharf begrenzten Konturen ausbildet. Diese Eigenschaft findet sich besonders häufig bei grauen und manchen blauen Augen und setzt der fotografischen Schärfe eine natürliche Grenze.
Wie die Farbe unserer Augen entsteht
Viele glauben, die Irisfarbe der Menschen entstünde durch unterschiedliche Farbpigmente, eben Blau, Grün oder Braun. Das ist jedoch unzutreffend, denn tatsächlich spielt nur ein einziges Pigment eine relevante Rolle: Melanin. Und dieses Pigment ist immer braun – unabhängig davon, ob eine Iris blau, grün oder dunkelbraun erscheint.

Entscheidend ist nicht die Art des Pigments, sondern seine Menge und seine räumliche Verteilung im Irisgewebe. Enthält die Iris viel Melanin, wird ein Großteil des auftreffenden Lichts absorbiert. Die Iris erscheint dann dunkelbraun bis nahezu schwarz.
Ist dagegen nur wenig Melanin vorhanden, dringt das Licht tiefer in das Gewebe der Iris („Stroma“) ein. Dort wird es an feinen Strukturen gestreut. Diese Streuung bevorzugt kurzwelliges Licht – die Iris erscheint dann blau. Die blaue Augenfarbe ist somit keine Pigmentfarbe, sondern ein physikalischer Streueffekt, vergleichbar mit der Entstehung der blauen Farbe des Himmels (was dem Begriff „himmelblaue Augen“ eine völlig neue Bedeutung gibt).
Bei einer mittleren Melaninmenge überlagern sich Lichtstreuung und Lichtabsorption durch Pigment. Das Resultat sind grüne, olivfarbene oder gelblich-grüne Iriden. Mit zunehmendem Melaningehalt verschiebt sich diese Mischfarbe dann kontinuierlich in Richtung Braun.
Kurz zusammengefasst:Viel Melanin macht Augen dunkel.Fehlt Melanin, entsteht Blau durch Lichtstreuung.Zwischenstufen erzeugen Grün.
Blaue und grüne Augen – fotografische Konsequenzen
Blaue, graue und viele grüne Iriden enthalten also vergleichsweise wenig Melanin. Dadurch kann Licht tief in das Irisgewebe eindringen – und ebenso „blickt“ das Objektiv optisch tiefer in die Struktur hinein. Die Iris ist hier kein klar begrenzter Oberflächenkörper, sondern ein halbtransparentes Volumen.

Hinzu kommt, dass die Fasern solcher Iriden häufig weich, diffus oder „wattig“ aufgebaut sind. Sie streuen Licht stark, besitzen nur schwach definierte Kanten und wirken teilweise leicht transparent. Diese Eigenschaften setzen der fotografischen Schärfe natürliche Grenzen: Nicht jede Unschärfe ist technisch bedingt – oft fehlt dem Motiv selbst eine scharf abbildbare Kontur.
Gleichzeitig entstehen zwischen diesen Fasern zahlreiche Krypten und Spalten, die blaue und grüne Iriden trotz ihrer geringen Kantenschärfe visuell sehr komplex und interessant machen.
Braune Augen – fotografische Konsequenzen
Braune Iriden enthalten deutlich mehr Melanin. Ihre Fasern sind stärker pigmentiert, besitzen klarere Konturen und bilden häufig eine relativ dichte, geschlossene Ebene. Das Licht dringt weniger tief in das Gewebe ein, die Iris wirkt optisch flacher.

Dadurch sind braune Iriden oft leichter scharf abzubilden als helle Iriden und erfordern vielfach weniger effektive Schärfentiefe. Gleichzeitig können sie strukturell homogener erscheinen, da ausgeprägte Krypten und Spalten seltener sind. Das macht sie dann fotografisch manchmal weniger spektakulär – auch wenn es hier zahlreiche Ausnahmen gibt.
Schärfentiefe
Die Dicke der menschlichen Iris variiert leicht und liegt typischerweise zwischen etwa 0,5 und 1,5 Millimetern. Für eine gelungene Aufnahme ist es jedoch nicht zwingend erforderlich, diese gesamte Tiefe innerhalb der Schärfentiefe abzubilden. Der hintere Teil des Irisgewebes ist das Pigmentepithel, die stark pigmentierte, lichtundurchsichtige Schicht, und die ist für das Licht optisch nicht zugänglich.

Für die Bildqualität sind letztlich zwei Faktoren entscheidend: ausreichende Schärfentiefe und möglichst geringe Beugungsunschärfe. Beide stehen in direktem Gegensatz zueinander. Eine kleinere Blendenöffnung vergrößert die Schärfentiefe – erhöht aber zugleich die Beugung. Jede Irisaufnahme ist daher ein Kompromiss zwischen diesen beiden physikalischen Effekten.
Oft wird behauptet, dass im Kleinbild-Vollformat Blende 11 hinsichtlich der Beugung unproblematisch sei. Diese Aussage greift jedoch zu kurz. Beugungsunschärfe entsteht, wenn Licht an einer kleinen Blendenöffnung gebeugt wird und feine Details nicht mehr klar abgebildet werden. Wie früh dieser Effekt sichtbar wird, hängt wesentlich von der Pixelgröße des Sensors ab.
Kameras mit großen Pixeln zeigen Beugungsunschärfe erst bei höheren Blendenzahlen. Kameras mit sehr kleinen Pixeln machen den Schärfeverlust früher sichtbar – nicht, weil sie schlechter wären, sondern weil sie feine Strukturen überhaupt erst auflösen können.
Praktisch bedeutet das: Eine Kamera mit großen Pixeln erlaubt auch bei höheren Blendenzahlen (und kleinerer Blendenöffnung) noch brauchbare Schärfe. Hochauflösende Kameras mit kleinen Pixeln verlangen dagegen nach offeneren Blenden, wenn maximale Detailauflösung erhalten bleiben soll.
Dabei wird allerdings ein entscheidender Punkt häufig übersehen: In der Makrofotografie ist nicht der eingestellte, sondern der effektive Blendenwert maßgeblich.
Die effektive Blende
Bei Abbildungsmaßstäben von 1:1 und darüber verändert sich die Lichtführung im Objektiv grundlegend. Beim Fokussieren auf sehr kurze Distanzen vergrößert sich der Abstand zwischen Objektiv und Sensor. Dadurch verteilt sich das Licht auf eine größere Fläche, und die wirksame Blendenzahl steigt.
Die effektive Blende ergibt sich aus:
Neff = N×(1+m)
Dabei ist N die eingestellte Blende und m der Abbildungsmaßstab.
So wird aus einer eingestellten f/8 bei 1:1 bereits eine effektive f/16, bei 2:1 sogar f/24.Damit nehmen sowohl der Lichtverlust als auch die Beugungsunschärfe deutlich zu – oft unbemerkt.
In der Makrofotografie wird daher meist mit relativ offenen Blenden gearbeitet, nicht aus Bequemlichkeit, sondern um unnötige Beugung zu vermeiden. Die nötige Schärfentiefe lässt sich mit klassischen Methoden nicht beliebig vergrößern – genau hier stößt die Irisfotografie bislang an eine physikalische Grenze.
Hier liegt eine der häufigsten Fehlerquellen: Entweder wird aus Angst vor Beugung mit zu geringer Schärfentiefe gearbeitet – oder man blendet zu weit ab und verliert durch Beugungsunschärfen Details, ohne es sofort zu bemerken.
Um diese Zusammenhänge greifbar zu machen, sind im Folgenden für verschiedene Abbildungsmaßstäbe und effektive Blendenwerte die zugehörigen Schärfentiefen dargestellt. Die Farbmarkierungen sind dabei bewusst gewählt:
frei von sichtbaren Beugungsunschärfen
klar weich, aber oft noch ok
deutlich sichtbarer Schärfeverlust durch Beugung
Schärfentiefe KB-Vollformat
Abbildungsmaßstab 1:1
Kamera Canon R5II, Objektiv Canon MP-E 65mm
Blende f/4 (eff. f/8), Schärfentiefe ca. 0,48 mm
Blende f/8 (eff. f/16), Schärfentiefe ca. 0,96 mm
Blende f/11 (eff. f/22), Schärfentiefe ca. 1,32 mm
Blende f/16 (eff. f/32), Schärfentiefe ca. 1,86 mm
Abbildungsmaßstab 1,4:1
Kamera Canon R5II, Objektiv Canon RF 100 mm Makro f/2,8 L
Blende f/4 (eff. f/9,6), Schärfentiefe ca. 0,29 mm
Blende f/5,6 (eff. f/13,4), Schärfentiefe ca. 0,4 mm
Blende f/8 (eff. f/19,2), Schärfentiefe ca. 0,57 mm
Blende f/16 (eff. f/38,4), Schärfentiefe ca. 1,14 mm
Abbildungsmaßstab 2:1
Kamera Canon R5II, Objektiv Canon MP-E 65 mm
Blende f/4 (eff. f/12), Abbildungsmaßstab 2:1: Schärfentiefe 0,18 mm
Blende f/5,6 (eff. f/16,8), Abbildungsmaßstab 2:1: Schärfentiefe 0,25 mm
Blende f/8 (eff. f/24), Abbildungsmaßstab 2:1: Schärfentiefe 0,35 mm
Blende f/16 (eff. f/48), Abbildungsmaßstab 2:1: Schärfentiefe 0,7 mm
Abbildungsmaßstab 2:1 Filmscannerobjektiv
Kamera Canon R5II, Objektiv Minolta 5400, Brennweite 39 mm
Blende f/3.7 (eff. f/11,1), Schärfentiefe ca. 0,16 mm
Auf KB-Vollformat mit hochauflösendem Sensor (R5 / R5 II-Klasse) wird Beugung ab einer effektiven Blende von etwa f/11 sichtbar, ab f/16 klar, ab f/22 dominant. Im Makro zählt ausschließlich die effektive Blende, nicht die eingestellte.

Zur Erinnerung: Die Tiefe der menschlichen Iris liegt je nach Auge zwischen etwa 0,5 und 1,5 Millimetern. Steht das Auge nicht exakt frontal zur Kamera, vergrößert sich die dafür erforderliche Schärfentiefe zusätzlich.
Legt man die maximale Schärfentiefe zugrunde, die ohne sichtbare Beugungsunschärfen erreichbar ist (grün markierte Werte), wird deutlich: Nur sehr flache Iriden lassen sich in einer Einzelaufnahme vollständig scharf abbilden. In der Praxis betrifft das vor allem manche braunen Iriden mit dichter Pigmentschicht und wenigen tiefen Krypten, da das Licht hier nicht weit in das Gewebe eindringen muss.
Das erklärt, warum sich manche Augen scheinbar problemlos fotografieren lassen, während andere – trotz identischer Technik – immer weich bleiben. Sobald man versucht, dieses Problem durch weiteres Abblenden zu lösen, gewinnt man zwar nominell Schärfentiefe, verliert aber unweigerlich feine Details durch Beugungsunschärfe.
Schärfentiefe und Mittelformat
Eine naheliegende Überlegung ist der Einsatz eines Mittelformatsensors, um die Iris mit mehr Pixeln zu erfassen und stärker vergrößern zu können. Für das Schärfentiefeproblem ist das jedoch kaum hilfreich.
Die zugrunde liegenden Formeln ändern sich im Mittelformat nicht. Durch den größeren zulässigen Zerstreuungskreis ergibt sich bei gleichem Abbildungsmaßstab jedoch eine geringere Schärfentiefe. Im sogenannten „kleinen“ Mittelformat (44 × 33 mm) liegt sie etwa 25 % unter der des Kleinbildformats.
Beispiel:Abbildungsmaßstab 1:1Fuji GFX 50S II, 120 mm MakroBlende f/8 (effektiv f/16)→ Schärfentiefe ca. 0,74 mm
Auch hier reicht die Schärfentiefe meist nur für einen Teil der Iris – nicht für ihre gesamte räumliche Struktur.
Unter dem Strich lassen sich mit klassischen Einzelaufnahmen nur begrenzte Ergebnisse erzielen. Brennweiten zwischen etwa 65 und 100 mm und effektive Blenden im Bereich f/4 bis f/8 stellen dabei meist den besten Kompromiss dar. Jede zusätzliche Vergrößerung über 1:1 lässt die Schärfentiefe weiter schrumpfen, und weiteres Abblenden führt zwangsläufig zu Beugungsunschärfe – besonders bei hochauflösenden Kameras mit kleinen Pixeln.
Genau hier liegt die grundlegende Einschränkung der bisherigen Irisfotografie: Mit klassischer Technik lässt sich die räumliche Struktur einer Iris mit sehr dickem Gewebe („Stroma“) entweder scharf oder vollständig erfassen – aber nicht beides zugleich.
Und genau an dieser Stelle setzt das Focus Stacking an.
Praktisches Vorgehen
Für die Aufnahme ist eine möglichst stabile Kopfposition des Modells entscheidend. Eine höhenverstellbare Kinnauflage in Kombination mit einer Stirnstütze hat sich hier bewährt. Kamera und Licht sollten vollständig eingerichtet sein, bevor das Modell die Aufnahmeposition einnimmt. Einstellungen erst bei eingeschaltetem Licht vorzunehmen, ist unnötig belastend für das Auge und sollte vermieden werden.

Die Beleuchtung sollte dimmbar sein. Für die Fokussierung genügt ein sehr schwaches Licht, das das Auge kaum beansprucht. Erst nachdem die Schärfe exakt eingestellt ist, wird die Beleuchtung kurzzeitig erhöht – immer mit vorherigem Hinweis an das Modell.
Ich positioniere das Autofokus-Messfeld im Bereich der Regenbogenhaut direkt unterhalb der Pupille und wechsle anschließend in die vergrößerte Darstellung. Der untere Irisbereich lässt sich so formatfüllend beurteilen.
Bei kamerainternem Focus Stacking über Autofokus ist das der Startpunkt für die Serie (Meine Einstellungen: Seriengröße 3 bis 5 Einzelbilder, Schrittgröße 3 oder 4 von 10).
Beim manuellen Vorgehen wird mit diesem Fokuspunkt die erste Aufnahme erstellt. Anschließend wird die Schärfenebene über den Lineartisch in winzigen Schritten nach vorne verlagert, jeweils mehrere Aufnahmen ausgelöst und die Position weiter verschoben – stets unter Sichtkontrolle auf einem großen, direkt angeschlossenen Monitor.

Fokus-Stacking in der Irisfotografie
Fokus-Stacking gilt gemeinhin als Technik für unbewegte Motive. Die menschliche Iris jedoch führt selbst bei größter Konzentration ständig minimale Mikrobewegungen aus, die sich bei Abbildungsmaßstäben von 1:1 und darüber drastisch auswirken. Bei klassischen Stackings mit vielen Einzelbildern führen diese Bewegungen fast zwangsläufig zu Unschärfen, Artefakten oder Doppelkonturen.
Aus diesem Grund galt der Einsatz von Fokus-Stacking in der Irisfotografie bislang als praktisch nicht beherrschbar – insbesondere in Kombination mit hochauflösenden Makro-, Filmscanner- oder gar Mikroskopobjektiven.
Der entscheidende Durchbruch ergibt sich erst durch extrem schnelle Bildfolgen moderner Kameras.
Der Drei-Bilder-Ansatz
Ausgangspunkt ist ein Einzelfoto mit begrenzter Schärfentiefe, etwa 0,96 mm bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1. Diese Tiefe reicht bei vielen Iriden nicht aus, insbesondere wenn sie nicht exakt parallel zum Sensor liegen.
Anstatt viele Einzelaufnahmen anzufertigen und davon die beste auszuwählen, beschränkt sich mein Ansatz bewusst auf nur drei Aufnahmen (oder drei bis fünf). Beim kamerainternen Fokus-Bracketing werden Anfangspunkt, Schrittweite und Bildanzahl festgelegt – der Endpunkt ergibt sich automatisch. Werden zu viele Bilder aufgenommen, liegt ein erheblicher Teil davon bereits deutlich hinter der relevanten Schärfeebene und trägt nichts zum Ergebnis bei. Im Gegenteil: Solche Bilder können das Verrechnungsergebnis sogar verschlechtern. Zudem braucht eine 20-Bilder-Serie mehr Zeit.
Ziel ist daher eine möglichst kurze Aufnahmezeit. Bei drei bis fünf Bildern wird die gesamte Serie in einem winzigen Sekundenbruchteil abgeschlossen. In dieser Zeit sind – bei sorgfältigem Vorgehen – nur minimale Augenbewegungen zu erwarten. Nicht jede Serie gelingt, doch durch mehrere kurze Serien hintereinander entstehen mit hoher Wahrscheinlichkeit verwertbare Ergebnisse.

Interne und externe Verrechnung
Die interne Verrechnung der Kamera dient in meinem Workflow primär als Vorsortierung. Man kann sie natürlich als fertiges Bildergebnis nutzen, doch nach meiner Erfahrung ermöglicht spezielle Focus-Stacking-Software wie z. B. Helicon Focus oft bessere Ergebnisse.
Allerdings erlaubt die kamerainterne Verrechnung das sofortige Beurteilen, welche Serien brauchbar sind. Die eigentliche Qualitätsarbeit erfolgt anschließend in der Focus-Stacking-Software.
Vergleichstests mit wenige Jahre älteren Kameras, die zwischen den Einzelaufnahmen längere Pausen benötigten, ergaben kein einziges überzeugendes Resultat. In diesen Zeitfenstern sind die unvermeidlichen Mikrobewegungen des Auges bereits groß genug, um ein sauberes Verrechnen zu verhindern. Entscheidend ist daher nicht die reine interne Stacking-Funktion, sondern die Ablaufgeschwindigkeit der gesamten Sequenz.
Derzeit ist die Auswahl an Kameras, die internes Fokus-Stacking mit automatischer Verrechnung beherrschen, noch sehr begrenzt. Stand Anfang 2025 waren es im Vollformat lediglich drei Modelle: Canon R1, R3 und R5 Mark II.

Canon R7 und R10 boten diese Funktion ebenfalls, arbeiteten jedoch mit APS-C-Sensoren. Diese liefern beim späteren starken Vergrößern – etwa für großformatige Drucke – geringere Reserven als Vollformatsensoren, ermöglichen allerdings etwas größere Schärfentiefe. Ähnliches gilt für Kameras der Olympus OM-D-Serie mit Micro-Four-Thirds-Sensoren. Auch sie sind in der Lage, Fokus-Stacking-Serien intern zu verrechnen und profitieren zudem von einer größeren nominellen Schärfentiefe.
Dem stehen jedoch systembedingte Nachteile gegenüber: kleinere Sensoren erfordern bei vergleichbaren Abbildungsmaßstäben kleinere effektive Blenden, wodurch Beugungsunschärfe früher sichtbar wird, und sie bieten eine geringere Lichtempfindlichkeit. Für Anwendungen, bei denen maximale Detailauflösung und große Ausgabemaße im Vordergrund stehen, relativieren sich diese Vorteile daher schnell. Wie so oft ist auch hier kein System grundsätzlich überlegen – entscheidend ist die konsequente Anpassung der Methode an die physikalischen Grenzen.
Irisfotografie und Datenschutz
Schon wieder Datenschutz? Leider ja – diesmal aber aus gutem Grund, denn mit der wachsenden Beliebtheit der Irisfotografie taucht ein Thema auf, das man nicht einfach wegwischen sollte.
Die Iris ist kein dekoratives Muster, sondern ein eindeutiges biometrisches Merkmal, vergleichbar mit einem Fingerabdruck. In einigen Ländern wird sie bereits zur Identifikation eingesetzt, etwa bei Grenzkontrollen oder sicherheitsrelevanten Zugangssystemen. Hochauflösende Irisfotos sind deshalb mehr als nur schöne Bilder. Sie könnten – zumindest theoretisch – missbraucht werden, etwa wenn Identifikationssysteme nicht zuverlässig zwischen echten Augen und reproduzierten Bildern unterscheiden.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn solche Fotos unverändert öffentlich geteilt werden. Wer seine Irisbilder online stellt und zugleich klar erkennbar als Person zugeordnet werden kann, gibt damit etwas sehr Persönliches preis. Das ist in etwa so klug, wie den eigenen Fingerabdruck gut ausgeleuchtet ins Netz zu stellen.

Viele Menschen lassen ihre Iris professionell fotografieren und posten die Ergebnisse begeistert in sozialen Medien – meist ohne sich bewusst zu sein, dass es sich dabei um biometrische Daten handelt. Deshalb der kurze Hinweis: Iriden sind keine harmlosen Motive. Wenn Irisfotos öffentlich gezeigt werden und ein Personenbezug besteht, sollten kleine strukturelle Details unauffällig verändert werden. Das ist in der Nachbearbeitung problemlos möglich und im fertigen Bild praktisch unsichtbar.
Irisfotografie ist faszinierend, ästhetisch und technisch anspruchsvoll. Sie verlangt aber auch ein Mindestmaß an Verantwortung. Wer Irisaufnahmen macht oder veröffentlicht, sollte kurz innehalten und überlegen, wo diese Bilder landen – und ob ein kleiner Eingriff in der Bildbearbeitung nicht die deutlich bessere Wahl ist.
Postproduktion
Hier abschließend noch eine stark vereinfachte Kurzanleitung zum Erstellen von Irisbildern mit einer simulierten Kollision auf schwarzem Hintergrund, hier mit Affinity Photo:


Schritt 1: Reflexionen entfernen (LED-Leuchte und andere Reflexe, z. B. Augenwimpern)
Schritt 2: runden Ausschnitt nehmen (Affinity Photo: „Auswahlrahmen Ellipse)
Schritt 3: Randunschärfe festlegen (Affinity Photo: „Auswählen“, „Randschärfe“, Wert eintragen, z. B. 70)
Schritt 4: Inhalt des runden Auswahlrahmens in den Zwischenspeicher laden (Affinity Photo: Command/C) oder als .png oder .afphoto abspeichern, damit der Hintergrund transparent bleibt
Schritt 5: Neue Datei anlegen, z. B. A3 quer
Schritt 6: Inhalt des runden Auswahlrahmens einsetzen (Affinity Photo: Command/V)
Schritt 7: Schwarzen Hintergrund anlegen und Ebene nach hinten verlagern
Schritt 8: Iriden wie gewünscht positionieren
Schritt 9: Malpinsel anwählen und mit entsprechender Pinselspitze versehen, um die Kollisionsfragmente zu erzeugen (Affinity Photo: die Pinselspitzen, mit denen sich kleine Fragmente erzeugen lassen, sind nur als Zubehör erhältlich, z. B. „Dreamphotography“
Fazit
Es gibt viele Wege zu überzeugenden Irisaufnahmen. Zahlreiche erfahrene Irisfotografen erzielen mit Einzelbildern beeindruckende Ergebnisse – besonders dann, wenn die Iris flach ist und das Licht nicht allzu tief ins Gewebe eindringt. Und wer zwar etwas mehr Schärfentiefe braucht, aber keine großformatigen Drucke plant, ist mit kleineren Sensoren oft bestens bedient. Auch das funktioniert – ganz ohne Zauberei.
Das hier vorgestellte Vorgehen will deshalb nichts ersetzen und niemanden bekehren. Es richtet sich an genau die Fälle, in denen klassische Methoden an ihre Grenzen stoßen: wenn das Licht tief ins Stroma vordringt, die Iris räumlich komplex ist und schlicht mehr Schärfentiefe verlangt, als Kamera und Objektiv hergeben wollen.
Dann hilft manchmal ein Griff in die fotografische Trickkiste. Fokus-Stacking ist dabei kein Allheilmittel und kein neuer Standard – sondern einfach ein zusätzliches Werkzeug. Für manche ist es überflüssig. Für andere öffnet es genau die Tür, die bislang verschlossen blieb: hin zu schärferen, besser kontrollierbaren und vor allem reproduzierbaren Ergebnissen.
Oder kurz gesagt: Man kann Irisfotografie sehr gut ohne Fokus-Stacking betreiben. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass man es nicht immer muss.


Kommentare